Wo anfangen? Das war die entscheidende Frage an diesem Tag. Die 2. KIO-Schulung im »Park der Gärten« drehte sich um Energie, Wasser & Co. Alles, was fließt sozusagen. Und das ist bekanntermaßen ein großes und – auf den ersten Blick – auch sehr technisches Thema. Das schreckt viele auf unterschiedlichen Ebenen zunächst ab. Zuviel Expertenwissen scheint erforderlich, zu viel technischer Sachverstand vonnöten, zu hohe Investitionskosten werden erkennbar in all den Debatten um neue Wärmeerzeugung, Stromgewinnung und smarte Steuerung all dessen. Gerade im Kulturbereich gilt das Geld gemeinhin als knappe Ressource, ebenso die Zeit und das Personal. Worum soll man sich noch alles kümmern? Und was bringt alles Engagement, wenn die genutzte Immobilie am Ende gar nicht die eigene ist, sondern in fremder Trägerschaft? Welche Handhabe hat man da bei der Gebäudetechnik oder der Sanierung?
»Energieeffizienz ist ein zentraler Baustein für den Klimaschutz. Und Messen ist der Schlüssel zum Erfolg.«
– Sabine Jellinghaus –
Dass alles ist richtig. Aber daraus muss sich nicht notwendigerweise Untätigkeit oder Handlungsunfähigkeit ergeben. Die Energieeffiziensberaterin Sabine Jellinghaus kennt genau solche Zusammenhänge und Stimmungslagen nur zu gut. Sie arbeitet vorwiegend im Kultur- und Kirchenbereich und hilft dort, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten auf den Weg in Richtung Klimaschutz durch mehr Energieeffizienz zu machen. Bevor es um teure und aufwendige Investitionen oder technische Detaillösungen geht, ist ihr dabei folgendes wichtig: Man muss auf die eigenen Strukturen und Abläufe schauen, diese kennenlernen und untergliedern – bis auf die kleinste Ebene. In handhabbare Häppchen gewissermaßen. Dann werden Stellschrauben sichtbar, an denen man ansetzen kann, um Energie zu sparen. Welches Licht muss überhaupt wann brennen? Welche Räume benötigen welche Temperatur im Laufe des Tages? Kann man Geräte eine Weile nicht einfach komplett ausschalten anstatt sie auf Stand-by laufen zu lassen? Werden Heizkörper heruntergedreht, wenn gelüftet wird? Dafür muss man eben wissen, welche Nutzungserfordernisse vorliegen und wie diese sich über die Zeit verändern. Nicht alles, was gestern noch in Raum x an Wärme benötigt wurde, wird dort auch heute noch benötigt, wenn sich die Raumnutzung verändert hat.
Es geht zunächst also gar nicht um Technik, sondern zuallererst um das Erkennen von Bedürfnissen und auch Gewohnheiten. Und über beide muss man sich im Klaren sein, damit man Energiebedarf und -verbrauch bestmöglich aufeinander abstimmen kann.
Danach kommt dann auch das Messen ins Spiel – von Verbräuchen, von Temperaturen, von Kosten. Ein unabdingbarer Schritt zur Energieeffizienz sei es deshalb, sich die Energiekostenabrechnungen der letzten Jahre vorzunehmen, und an den eigenen Abläufen, Veranstaltungen und Notwendigkeiten zu spiegeln. Das sei sicherlich kein Vergnügen. Das Vergnügen stelle sich aber ganz sicher ein, wenn man sieht, wie man am Ende bares Geld sparen könne, weil man Verbräuche und Kosten gesenkt habe. Und damit eben Schwarz auf Weiß sehe, wie man so effektiv etwas fürs Klima tue. Denn: Energiekosten seien heute eben dann am höchsten, wenn sie auf fossilen Strukturen basierten! Regenerative Energiequellen seien mittlerweile immer günstiger. Und nicht verbrauchte Energie sei die beste. Häufig, so Sabine Jellinghaus, seien es aber erstmal kleine, aber wirkungsvolle Schritte, die man ohne große Investitionen angehen könne und die schon eine Menge brächten. Vor allem eben die Bestätigung und das gute Gefühl, etwas bewegen zu können.
»Nachhaltigkeit ist ganz klar ein Thema für den Park der Gärten. Als Vorbild für Nachahmer, als Initiator bei Veranstaltungen oder auch im eigenen Unternehmen.«
– Christian Wandscher –
Apropos »Bewegen«: Im Park der Gärten, durch den uns dessen Geschäftsführer Christian Wandscher vor dem gemeinsamen Mittagessen noch führte, wurde in den letzten Jahren so einiges bewegt. Ganz generell, aber vor allem in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Da ist man nämlich seit mehr als 15 Jahren auf genau diesem Weg. Draufschauen, Prozesse kennen, nachsteuern und so Stück für Stück besser werden. Heute ist der Park nahezu energieautark. Das war natürlich ein weiter Weg. Beharrlichkeit und Kreativität waren dabei gefragt. Christian Wandscher stimmte uns schon bei seiner Begrüßung am Morgen darauf ein. Bei der Führung durch den neu angelegten Musterpark für den Klimaschutz konkretisierte er dies dann noch. Das Wassermanagement etwa – kein kleiner Aspekt in einer so großen Garten-Anlage – spielte bei allen Umbauten und Neuanlagen eine wichtige Rolle. Dabei geht es aber nicht nur um die Bewässerung der Pflanzen, sondern am Ende um eine grundlegende Herausforderung der Zukunft: nämlich die im Zuge des Klimawandels immer stärker wechselnden Bedingungen von zu viel Wasser und zu wenig Wasser auszutarieren (Niederschläge/Starkregen). Das Wasser also einerseits kontrolliert abzuführen, umgekehrt aber nicht zu verschwenden bzw. einfach weglaufen zu lassen, es vielmehr zu speichern. Das Bild von der Schwammstadt machte hier die Runde.
Darüber hinaus beeindruckte auch die Materialauswahl bei den Garten- und Vermittlungselementen. Holz als nachwachsender Rohstoff; Schilder aus Reisschalen und Betonsteine, die das Wasser eben wie ein Schwamm speichern anstatt die Fläche zu versiegeln. Von den klimawandelangepassten Pflanzensortimenten ganz zu schweigen. Da waren viele Anregungen und Impulse dabei, über den Umgang mit unserer bebauten Umwelt nachzudenken und Alternativen zu herkömmlichen Material- und Flächenverbräuchen in Betracht zu ziehen.
Denn langfristig wird uns der Klimawandel die Notwendigkeit zur Veränderung und Anpassung vorgeben. Er tut es jetzt schon. Und wir sind gut beraten, die Dinge anzugehen. Die 2. KIO-Schulung im Park der Gärten hat hier Zugänge aufgezeigt, wie man aktiv werden kann, ohne an der Größe der Aufgabe zu verzweifeln. Kleine Schritte und die Lust am Ausprobieren machen das möglich. Dass es höchste Zeit ist, war allen Teilnehmenden hinterher einmal mehr bewusst.
Mit dieser Überzeugung machte sich am Nachmittag unsere 15-köpfige Kernarbeitsgruppe für den Ostfriesischen Klima-Leitfaden daran, die Erkenntnisse des Vormittags zu bündeln und in eben die »handhabbaren Häppchen« für den Kulturbereich zu übersetzen, von denen Sabine Jellinghaus gesprochen hatte. Hierbei zeigten sich die Qualität der Referentin und die Kreativität der Kulturtätigen: der strukturierte Zugang zum Thema und die intime Kenntnis des Kulturbetriebs ließen sich gut zusammenbinden. So entstanden konkrete, gangbare Ideen, wie wir im Kulturbereich unsere je eigenen Strukturen und Verbräuche in den Blick nehmen und verbessern können. Diese Ideen fließen in den Klima-Leitfaden für Ostfrieslands Kultur direkt ein.
Abbildungen oben: Impressionen der zweiten KIO-Schulung zu Energieeffizienz im Kulturbereich (Fotos: Ostfriesische Landschaft) | Abbildung im Text: Sabine Jellinghaus (Foto: dies.) – Christian Wandscher (Foto: ders.)
»Energieeffizienz ist ein zentraler Baustein für den Klimaschutz. Und Messen ist der Schlüssel zum Erfolg.«
»Nachhaltigkeit ist ganz klar ein Thema für den Park der Gärten. Als Vorbild für Nachahmer, als Initiator bei Veranstaltungen oder auch im eigenen Unternehmen.«






















![Erika Willers, [Blick vom Strand Hilgenriedersiel nach Norderney], 2024. Erika Willers, [Blick vom Strand Hilgenriedersiel nach Norderney], 2024.](https://kultur.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/sites/6/2025/04/erika-willer-2024-254x254.jpg)













