Schokolade on tour, Klima-Taler, Bio-Kisten, »Wulkje« im Tee und ganz viel Menschlichkeit.
Es war ein kleiner, aber feiner Kreis aus Klimaenthusiasten, Kulturtätigen und Touristikern, der sich im gemütlichen Ambiente des Marktpavillons Norden zusammengefunden hatte. Die Kulturbrennerei DoKa e.V. hatte uns die Türen geöffnet und uns ganz herzlich aufgenommen. Mit fairem Kaffee, leckerem Kuchen vom Vortag (der – oh Wunder – trotzdem uneingeschränkt genießbar war) und offenen Armen. Ganz der Überzeugung des Hauses gemäß, Nachhaltigkeit auf ganzer Linie zu leben: Angefangen bei der charmanten Einrichtung aus guten, gebrauchten Stühlen und Tischen (keiner gleicht dem anderen), über das Angebot an regionalen und fairen Lebensmitteln bis hin zur Kultur des sozialen Miteinanders ohne Ansehen der Person oder Herkunft. So geht ganzheitliche Nachhaltigkeit.
Bei soviel Wohlfühlatmosphäre kamen schnell ungezwungene Gespräche zustande, kreative Gedanken fanden zueinander und Kooperationspläne wurden geschmiedet. Deike Neumann, Klimaschutzmanagerin der Stadt Aurich, berichtete von vielen spannenden Initiativen in der Region: Bei der »Schokofahrt« etwa würden einmal im Jahr zahlreiche Engagierte in der Region beweisen, dass umwelt- und sozialverträgliche Versorgungswege sogar bei exotischen Luxusgütern möglich seien. Kakao, der klimaneutral mit dem Segelschiff nach Amsterdam gelange, werde dort zu Schokolade verarbeitet, welche dann einmal im Jahr von Lastenradfahrenden aus ganz Deutschland abgeholt und in so in die Fläche ihrer jeweiligen Heimatregion verteilt werde. Dort sei sie dann in ausgewählten Läden erhältlich. Das sei sehr ambitioniert, aber es funktioniere prima.
Ebenso wie das Konzept der »Klima-Taler« hier in Aurich. Das Prinzip ist dabei so genial wie einfach: Wer Rad fährt, kann Klima-Taler sammeln. Je 30 km gibt es einen Taler. Die kann man dann bei ausgewiesenen Geschäften und Einrichtungen einlösen und erhält eine kleine Vergünstigung. Das Projekt wird von der Stadt Aurich getragen. Jede/r könne sich dort anmelden und die Taler sammeln und ausgeben. So tue man sich selbst, dem Klima und dem lokalen Handel etwas Gutes, betonte Deike Neumann.
Apropos lokaler Handel: Die Sichtbarkeit von regionalen, nachhaltigen, biologischen Lebensmitteln und gastronomischen Angeboten wurde in der Runde als ungenügend wahrgenommen. Jede/r kenne irgendwo kleine Hofläden, Bio-Lieferanten oder ambitionierte Catering-Anbieter. Aber es gäbe keine gut greifbare, verlässliche Übersicht oder Plattform dafür in Ostfriesland. Hier wollen die Teilnehmenden der KIO-Werkstatt weiterdenken, wie dies zu verbessern sei. Für Anregungen und Hinweise sind wir jederzeit dankbar.
Es gab zwar überwiegend Kaffee im Marktpavillon. Aber in Sichtweite zum Ostfriesischen Teemuseum lag das Thema »Tee« (noch so ein Luxusartikel) natürlich nicht fern. Erst recht nicht deshalb, weil das KIO-Projekt zusammen mit der Kulturbrennerei DoKa bereits an einem Veranstaltungsformat bastelt, das Tee und Klimawandel zusammenbringt: Der Hamburger Ozeanograph Dr. Daniel Thewes klärt in den Sozialen Netzwerken mit kleinen, ebenso launigen wie informativen Videos über den Klimawandel auf. So, dass es auch Laien verstehen. Das ist Wissenschaftskommunikation at its best. So zeigt er in einem Video beispielsweise die physikalische Verwandtheit von „Wulkjes“ im Ostfriesentee und den Strömungsmechanismen im atlantischen Ozean auf und, wieso wir ohne diese – vom Klimawandel massiv bedrohten – Mechanismen große Probleme bekommen werden (hier geht’s zum Video auf Instagram). Ein guter Grund, ihn demnächst mal einzuladen in den Marktpavillon Norden und ungezwungen ins Gespräch zu kommen über das Klima, die Menschen und den ganzen Rest. Denn das wir miteinander Reden müssen – auch, aber nicht nur beim Klima –, ist sein anderes großes Thema. Bei einer guten eine Tasse Tee natürlich. [genauer Termin folgt auf den üblichen Kanälen]
Ganz zum Schluss schauten wir uns zusammen noch ein kurzes Video an, das bei einer großen Pflanzaktion des Vereins Bergwaldprojekt e.V. im vom Klimawandel gezeichneten Harz entstanden ist. Der bei den »Scientists for Future« prominent engagierte Mainzer Chemiker Prof. Dr. Sebastian Seiffert hielt dort im Oktober 2025 ein vehementes Plädoyer für die Sinnhaftigkeit von Klimaschutzmaßnahmen auch kleineren, alltäglicheren Zuschnitts: Ihm zufolge ginge es dabei gar nicht zuvorderst um die objektive, messbare Wirkung (die sei zu vernachlässigen und werde den Planeten nicht retten). Vielmehr sei die Wirkung im Mentalen und im Sozialen zu suchen, welche weit über die tatsächliche Arbeit hinausreiche. Am Beispiel der Pflanzaktion bedeute das:
»Pflanzt Bäume in die Köpfe!«
(Prof. Sebastian Seiffert)
Denn im gemeinsamen Handeln würden wir zusammen etwas einüben, das uns die Hoffnung nicht aufgeben lasse (so schwer das auch vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Befunde mittlerweile falle): Menschlichkeit. Im tätigen Miteinander bewahrten wir sie als das, was uns ausmache: nämlich nicht aufzugeben, zusammenzustehen, füreinander da zu sein. Und das stimme am Ende dann doch hoffnungsvoll.
Uns jedenfalls als kleiner KIO-Gruppe da im Marktpavillon in Norden gab dies zum Abschluss noch einmal Rückenwind und stärkte unsere Resilienz. Wir machen weiter! Gegen alle Skepsis, Widerstände und Phlegmatismus.
Das ganze Video finden Sie hier:
Baumpflanzaktion Braunlage Oktober 2025 (35 Jahre Bergwaldprojekt)
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Die KIO-Werkstatt findet regelmäßig in Ostfriesland statt: Das nächste Mal treffen wir uns im Juni in Aurich. Ort und Zeit wird noch bekanntgegeben. Alle Kultureinrichtungen, Kulturtätigen und kulturnahen Akteure aus Ostfriesland sind herzlich eingeladen.
Wenn auch Sie sich als Kultureinrichtung mit KIO auf den Weg machen wollen, freuen wir uns auf Ihre Teilnahme.
Melden Sie sich einfach bei uns unter: kio@ostfriesischelandschaft.de oder 04941/1799-55 bzw. 1799-56.
Abbildungen oben: Impressionen der vierten KIO-Werkstatt in Norden (Illustration und Foto: Ostfriesische Landschaft).



















![Erika Willers, [Blick vom Strand Hilgenriedersiel nach Norderney], 2024. Erika Willers, [Blick vom Strand Hilgenriedersiel nach Norderney], 2024.](https://kultur.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/sites/6/2025/04/erika-willer-2024-254x254.jpg)













