Edmund Ballhaus, Kulturwissenschaftler, Dokumentarfilmer und Chronist ostfriesischer Lebenswelten, entfaltet in seinem Buch „Das Gespür für Wasser“ ein eindringliches Panorama von Moor, Deich und Meer, das lokale Erinnerung, Alltagswissen und visuelle Poesie verbindet. Eine kostenfreie Lesereise mit acht Stationen in Ostfriesland, die am 13. März 2026 im Deutschen Sielhafenmuseum Carolinensiel startet, wurde von der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft im Rahmen des KIO‑Programms organisiert.
Edmund Ballhaus hat sich als Kulturwissenschaftler, Dokumentarfilmer und Autor den Ruf erworben, wissenschaftliche Präzision gekonnt mit eindringlicher Erzählung zu verbinden. Seine frühen Arbeiten zur Dorfentwicklung im Spiegel der Fotografie legten den Grundstein für eine Karriere, in der Feldforschung, visuelle Methodik und publizistische Praxis eng verwoben sind. Stationen in der wissenschaftlichen Lehre und in filmischen Produktionszusammenhängen zeigen, wie konsequent Ballhaus die Bildlichkeit als Erkenntnisinstrument nutzt. Als Organisator und Impulsgeber kulturwissenschaftlicher Netzwerke hat er institutionelle Räume geschaffen, in denen filmische und fotografische Zugänge zur Alltagskultur systematisch entwickelt werden konnten. Seine Rolle als Vermittler zwischen akademischer Forschung und öffentlicher Vermittlung macht ihn zu einer prägenden Figur für die Kulturanthropologie, nicht zuletzt in der Region Ostfriesland, die er mit besonderer Sensibilität und großem Respekt vor lokalen Wissensformen betrachtet.
Sein Werk zeichnet sich durch eine dichte, sinnliche Beobachtung aus: historische Abbildungen, aktuelle Fotografien und filmische Sequenzen werden zu einem Geflecht, das Kontinuitäten und Brüche sichtbar macht. Ballhaus liest aus kleinen, vordergründig banalen Details größere kulturelle Zusammenhänge heraus. Er nimmt Traditionen ernst, ohne sie zu romantisieren, und er verbindet empirische Genauigkeit mit erzählerischer Tiefe. In seinen Texten und Filmen wird Ostfriesland nicht als folkloristische Kulisse, sondern als Erfahrungsraum sichtbar, in dem Moor, Deich, Siel und Meer als elementare Bezugspunkte fungieren, die Lebensweisen, Sinngewohnheiten und kollektive Erinnerungen formen. Diese Perspektive ist für die Kulturanthropologie wertvoll, weil sie lokale Praktiken nicht nur dokumentiert, sondern in eine reflexive Theorie des Alltags überführt: Ballhaus zeigt, wie Landschaften Identität stiften und wie Erinnerung in materiellen Dingen, Ritualen und Sinnesgewohnheiten weiterlebt.
Ballhaus öffnet in seinen Lesungen die Tore zu einer Welt zwischen Moor und Meer, erzählt von Traditionen und Eigenheiten, von einem Lebensgefühl in Ostfriesland, das sich aus der Nähe zum Wasser speist, und verwebt historische Abbildungen mit aktuellen Aufnahmen zu einem eindrucksvollen Panorama. Die Lesungen versprechen überraschende Einblicke, unterhaltsame Anekdoten und eindrucksvolle Bilder. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, das Buch „Das Gespür für Wasser“ zu erwerben und vom Autor signieren zu lassen. Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Der Auftakt zur Lesereise wird am 13. März im Deutschen Sielhafenmuseum Carolinensiel stattfinden. Alle Termine finden sich unter www. …. Anmeldung unter: otto@ostfriesischelandschaft.de / 04941-1799-57.
Die Lesereise ist eingebettet in „KIO — KulTour‑Innovationen für Ostfriesland“, ein Projekt der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft in Kooperation mit der Ostfriesland Tourismus GmbH, das Kultur und Tourismus in der Region nachhaltig weiterentwickeln will. KIO versteht Kultur als Motor regionaler Entwicklung und bietet Orientierungswissen, Weiterbildungsformate, Leitlinien und Fördermittel, um Kulturtätige und Tourismuseinrichtungen bei der Umsetzung klimagerechter, nachhaltiger und digitaler Strategien zu unterstützen. Ziel ist es, Ostfriesland als klimagerechte, kulturell lebendige und zugleich attraktive Reisedestination zu stärken, indem lokale Akteurinnen und Akteure befähigt werden, ihre Angebote zukunftsfähig zu gestalten. KIO fördert damit nicht nur einzelne Projekte, sondern einen strukturellen Wandel: von der Sensibilisierung für ökologische Fragestellungen bis zur konkreten Förderung von Projekten, die Kultur, Bildung und Tourismus miteinander verknüpfen. In diesem Rahmen fungiert die Lesereise als Praxisbeispiel: lokal verwurzelt, kulturwissenschaftlich fundiert und anschlussfähig an globale Fragen von Nachhaltigkeit, Identität und Entwicklung.
Die gesellschaftliche Relevanz eines solchen Projekts liegt auf mehreren Ebenen. Küstenregionen wie Ostfriesland stehen an vorderster Front ökologischer und sozialer Veränderungen. Meeresspiegelanstieg, veränderte Wetterlagen, politische und wirtschaftliche Umbrüche fordern neue Formen des kulturellen Gedächtnisses und der regionalen Resilienz. Ballhaus’ Arbeit dokumentiert und bewahrt lokale Wissensbestände und macht zugleich sichtbar, wie kulturelle Praktiken und Sinngewohnheiten Ressourcen für Anpassung und Identitätsstiftung sein können. Auf globaler Ebene ist dieses Modell übertragbar: Überall dort, wo Landschaften und Lebensweisen durch ökologische Veränderungen bedroht sind, braucht es Stimmen, die Erinnerung, Wissen und Erzählung zusammenführen, um Handlungsfähigkeit und kulturelle Kohärenz zu erhalten. Darüber hinaus hat die Verbindung von Kulturvermittlung und Nachhaltigkeitsförderung eine normative Dimension: Kulturarbeit kann sensibilisieren, Handlungsräume eröffnen und Gemeinschaften stärken. KIO zeigt, wie Kulturakteure gemeinsam Strategien entwickeln können, die ökologisch verantwortbar und sozial inklusiv sind. Die Lesereise Ballhaus ist in diesem Sinne kein nostalgisches Rückschauen, sondern ein aktives Erinnern, das Ressourcen für die Zukunft freilegt — Erinnern als Praxis, die Orientierung stiftet und Handlungsfähigkeit ermöglicht.





































































