• Moden un Maneren, Ostfrieslands Bräuche, Traditionen und Besonderheiten
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Ostfrieslands Bräuche

Moden un Maneren, Ostfrieslands Bräuche, Traditionen und Besonderheiten

Bräuche haben auf der Ostfriesischen Halbinsel auch im 21. Jahrhundert ihren festen Platz. Sowohl im Alltag als auch bei Feierlichkeiten, im Jahreslauf oder im Lebenslauf findet man in Ostfriesland und Friesland viele Bräuche, Traditionen und Sportarten, die für die Region typisch sind. Ostern, Sünnerklaas und das Schlachtfest bilden dabei die Höhepunkte im Jahreslauf … aber dazu später.

Ein Brauch ist eine regelmäßig wiederkehrende Handlung, die in der Gemeinschaft ausgeübt wird und zu bestimmten Zeiten oder zu besonderen Anlässen stattfindet. Die Handlungsabläufe bei der Ausübung eines Brauches sind in der Regel festgelegt und haben einen erkennbaren Anfang sowie einen Abschluss. Die Bräuche im Jahreslauf wie zu Ostern und zu Weihnachten werden in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen als Bräuche im Lebenslauf wie Hochzeiten und Taufen, die das Leben in unregelmäßigeren Abständen bestimmen. Viele Bräuche haben ihren Ursprung im Christentum und erleben zudem eine regionale Ausprägung. Sie unterliegen im Ablauf vielen bestimmten Handlungsmustern, die allerdings nicht statisch sind, sondern mit dem Wandel der Zeit gehen. So war im Ostfriesland des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts der Weihnachtsbaum nicht üblich, obwohl dieser deutschlandweit bereits fest mit allen seinen Bräuchen eingeführt war.

Manche Bräuche sind nicht nur typisch ostfriesisch, auch wenn sie als solche wahrgenommen werden, wie zum Beispiel das Osterfeuer. Andere finden sich in Deutschland ausschließlich hier, wie der archaisch wirkende Brauch des Klaasohm auf Borkum, der seine Ursprünge in den Niederlanden hat. Viele Bräuche lassen sich an einzelnen Orten festmachen, sind aber nicht überall zu finden. Die wenigsten von ihnen gibt es auf der ganzen Ostfriesischen Halbinsel. Es gibt Bräuche, die man nur im Jeverland und dem Harlingerland antrifft, wie das Püttbierfest oder den Aussegnungsgesang der Frauen vor dem Haus eines Verstorbenen, der in der Gegend um Firrel im Uplengener Land vorkommt. Diese regionalen Unterschiede der Ausübung von Bräuchen haben ihren Ursprung in der besonderen geografischen Lage der Ostfriesischen Halbinsel. Ostfriesland war über Jahrhunderte durch einen Hochmoorgürtel nicht nur zweigeteilt, sondern auch von „Deutschland“ auf dem Landweg schlecht zu erreichen. Orientierte sich die westliche Region mehr am Leben, Glauben und an Bräuchen der benachbarten Niederlande, so kamen in den nordöstlichen Gegenden die Einflüsse aus dem Oldenburgischen zum Tragen. In den eher calvinistisch/reformatorisch geprägten Regionen um Emden, Leer, dem Rheiderland und der Krummhörn haben sich bis heute Bräuche mit niederländischen Wurzeln wie zum Beispiel das Nötenscheten erhalten, wohingegen sich der Einfluss der Lutheraner im Nordosten etablieren und erhalten konnte. So haben sich beispielsweise die lutherischen Fastnachtsbräuche im Harlinger-, Wanger-, aber auch dem Overledingerland durchgesetzt.

Vorgestellt werden Bräuche, die überwiegend in Ostfriesland ausgeübt werden, die heute noch gelebt werden und deren Ursprünge häufig bis in das 19. Jahrhundert oder zeitlich noch weiter zurückverfolgt werden können.

Alle Texte: Katrin Rodrian

Ostfrieslands Bräuche im Jahreslauf

Bräuche im Jahreslauf werden im öffentlichen Bewusstsein stärker wahrgenommen als die im Lebenslauf.

Das Jahr ist begleitet von Traditionen und Festen, deren Wurzeln oft im Kirchenkalender zu finden oder aber geprägt sind vom landwirtschaftlichen Rhythmus. Die Menschen auf der Ostfriesische Halbinsel lebten über Jahrhunderte von der Landwirtschaft
und der Seefahrt. Bräuche wie zum Beispiel Sünnerklaas, also der zum Heiligen Nikolaus, waren vor allem an der Küste von Bedeutung, da Nikolaus der Schutzpatron der Seefahrer ist.

Ostfrieslands Bräuche im Lebenslauf

Geht man mit offenen Augen durchs Land, so erfährt man Vieles über den Alltag, aber auch die Besonderheiten im Lebenslauf der Ostfriesinnen und Ostfriesen.

Es hängen Zigarettenschachteln, fein säuberlich auf einen Faden gezogen, über dem Gartenzaun, Babywäsche berichtet über anstehenden Nachwuchs im Haus, festlich geschmückte Eingänge oder Herzen im Vorgarten zeugen von hölzernen, silbernen und goldenen Hochzeiten
oder dem erreichten runden Geburtstag, und selbst der bevorstehende Ruhestand wird an so manchem Gartenzaun verkündet. Wie ein bunter Bilderbogen wird das gemeinschaftliche Leben in der Region vielfältig aufgeblättert, in dem man mit viel Liebe und Vergnügen lesen kann. Von der Wiege bis zur Bahre wird das gemeinschaftliche Leben von Bräuchen begleitet. In Verbindung mit kirchlichen Riten haben sich dabei Bräuche und Traditionen entwickelt, die auf der Ostfriesischen Halbinsel ihre typischen Eigenheiten aufweisen.

* Ostfriesische Halbinsel: Ostfriesland besteht aus den Landkreisen Aurich, Leer, Wittmund sowie der Seehafenstadt Emden. Die touristische Marke „Ostfriesland“ umfasst die gesamte Ostfriesische Halbinsel vom Dollart bis zum Jadebusen zusätzlich mit den Landkreisen Ammerland, Friesland und der Jadestadt Wilhelmshaven.

 

 

  • Silvester und Neujahr - Vom Olljahrsdag zum Neeijahr

  • Karbidschießen

  • Beiern

  • Proost Neeijahr mit Speckendicken

  • Elführtje in Emden

  • Neujahrslaufen

  • Neeijahrskoken

  • Teetied oder Elführtje

  • Knipp-Kuchen im Jeverland

  • Das Riegenbrot, Spezialität aus Middels

  • Wurstlaufen auf Spiekeroog

  • Epiphanias – die Sternsinger zum Fest der Heiligen Drei Könige

  • Jever*: Püttbier oder die Acht der Brunnen

  • Winter - Schöfeln, wenn das Eis trägt

  • Fastnacht: Das Fastnachtslaufen der Handwerker

  • Bessensmieten am Fastnachtsdienstag

  • Frühjahrsbräuche und Maiengrün - Ostern – Paasken

  • Paaskefüür – Osterfeuer am Ostersonnabend

  • Hicken-Bicken-Sönndag

  • Eiertrüllen

  • Eiersmieten - Weitwurf mit Eiern

  • Nötenscheten

  • Tanz in den Mai - Maibaumaufstellen und -stehlen

  • Himmelfahrt - Brautpfadlegen

  • Pfingsten

  • Die Mühlenwette in Neustadtgödens

  • Ein Pfingstbaum für den neuen Nachbarn

  • Anbaden auf Baltrum zum 15. Mai

  • Sommersportarten

  • Kreierrennen – Schlickschlittenrennen

  • Kaispööl auf Norderney

  • Schützenfest in Esens im Juli

  • Herbst - Erntekranz und Tuffelmarkt

  • Der Gallimarkt im Oktober - Die fünfte Jahreszeit in Leer

  • Winter - Wenn die Natur ruht

  • Winterzeit ist Grünkohlzeit

  • Friesensport - Klootschießen – Klootscheten

  • Klootschießen auf Spiekeroog

  • Friesensport - Boßeln

  • Sünnermarten oder Martini

  • Mien lüttje Lateern

  • Sünnerklaas

  • Nikolaus auf Juist

  • Verknobeln am Vorabend zu Nikolaus

  • Stutenkeerl un Rieder up Peerd

  • Klaasohm auf Borkum am 5. Dezember

  • Swiensvisiet un Snirrtjebraa - Die Hausschlachtung im Winter

  • Weihnachten - Wiehnachten

  • Pfeffernüsse - Pepernöten

  • Stefensdag auf Wangerooge

  • Ostfrieslands Bräuche im Lebenslauf

  • Geburt und Taufe

  • Puppvisiet und Kinnertöön mit Bohntjesopp

  • Taufe am Strand von Juist

  • Einschulung - Pluumboom up de Schoolböhn

  • Hochzeit

  • Der Hochtiedsbidder und Hochzeitsbogen

  • Klumpenhochtied

  • Ochsenhochzeit in Esens und im Jeverland oder Güüstkinnelbeer bei Kinderlosigkeit

  • Geburtstag - von der „alten Schachtel“ bis zur „alten Socke“

  • Geburtstag - von der „alten Schachtel“ bis zur „alten Socke“

  • Die letzte Reise - Trauer, Tod und Sterbekassen

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  • Das Totenheck

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